Warum kann ich nicht abschalten?
Viele Menschen kennen diesen Zustand: Der Tag ist vorbei, der Körper ist müde, aber der Kopf arbeitet weiter. Gespräche, Aufgaben, Sorgen, Termine oder ungelöste Situationen laufen immer wieder durch. Man sitzt auf dem Sofa oder liegt im Bett und merkt: Ich kann nicht abschalten.
Das ist kein Zeichen von Schwäche. Oft ist es ein Zeichen dafür, dass Körper und Gehirn noch im Aktivierungsmodus sind.
Viele versuchen dann, Ruhe zu erzwingen. Genau das macht es aber häufig schlimmer. Denn Entspannung funktioniert nicht über Druck. Wenn ich denke: „Ich muss jetzt abschalten“, entsteht innerlich Kontrolle. Und Kontrolle hält wach.
Warum arbeitet mein Gehirn ständig weiter?
Ein wichtiger Grund sind sogenannte offene Schleifen. Unser Gehirn erinnert uns an Dinge, die noch nicht abgeschlossen sind: eine unbeantwortete Nachricht, ein Konflikt, eine Entscheidung oder die Sorge, morgen etwas zu vergessen. Deshalb reicht es oft nicht, sich einfach hinzulegen. Der Körper ist zwar ruhig, aber das Gehirn arbeitet weiter.
Die 3-Schritte-Methode zum Abschalten
Hilfreich ist ein bewusster Übergang von Leistung zu Erholung. Drei Schritte können dabei unterstützen:
Erstens: den Kopf entlasten. Schreibe einige Minuten lang alles auf, was dich beschäftigt. Nicht perfekt, nicht schön formuliert. Einfach raus aus dem Kopf und aufs Papier.
Zweitens: den Körper herunterregeln. Atme ruhig ein und etwas länger aus. Damit gibst du deinem Nervensystem ein Signal von Sicherheit.
Drittens: ein Übergangsritual schaffen. Das kann ein kurzer Spaziergang, Duschen, Kleidung wechseln, Musik hören oder bewusstes Schließen des Laptops sein. Dein Gehirn braucht ein klares Signal: Der Arbeitstag ist vorbei.
Im Spitzensport ist Regeneration kein Luxus, sondern Teil der Leistungsfähigkeit. Dasselbe gilt im Business und im Alltag. Wer dauerhaft leistungsfähig bleiben möchte, braucht nicht nur Disziplin und Fokus, sondern auch die Fähigkeit, wieder herunterzufahren.
Warum Abschalten trainiert werden kann
Die entscheidende Frage lautet daher vielleicht nicht:
Wie kann ich noch mehr leisten?
Sondern:
Wie kann ich meinem System wieder erlauben, in Erholung zu gehen?
Aus meiner Praxis
In meiner Arbeit mit Führungskräften, Unternehmerinnen und Unternehmern sowie Sportlerinnen und Sportlern begegnet mir dieses Thema regelmäßig. Viele glauben, sie müssten nur lernen, besser zu entspannen.
Tatsächlich liegt die Ursache häufig früher: Das Gehirn erhält tagsüber selten bis nie ein klares Signal, dass der Leistungsmodus beendet ist.
Genau deshalb arbeite ich im Mentaltraining oft nicht zuerst an Entspannungstechniken, sondern an bewussten Übergängen zwischen Leistung und Regenerationin Zusammenhang mit dem Umfeld.
Erst wenn dieser Wechsel gelingt, wird echte Erholung möglich.



